Sprache ist der Schlüssel zur Welt

Gepostet Von Schulleitung am Mai 12, 2022 in Aktuelles, Presse


Sprache ist der Schlüssel zur Welt

Sprache ist der Schlüssel zur Welt 

(Vilshofener Anzeiger im Mai 2022) – Text von Tanja Hackl

„I gfrei mi narrisch, dass wir endlich wieder pädagogische Abende für alle Interessierten veranstalten können.“

Mit diesen Worten hieß Klaus Kincses, Mitglied des Schulleitungsteams und Lehrer an der Montessori-Schule Vilshofen, die rund 20 Besucherinnen und Besucher herzlich willkommen. Zum Thema „Sprache“ hatte die Schule in die Aula des Neubaus Interessierte zu einem Vortragsabend eingeladen.

Kincses gab ab an Frau Rosemarie Plöchinger, Altvorständin und Mitbegründerin der Einrichtung, welche auch im 22. Jahr nach Schulgründung die Zuhörerschaft zu fesseln weiß.

Schreiben und Lesen war für Maria Montessori (1870–1952, Ärztin und Pädagogin) Mittel zur Welterkenntnis, Kommunikation und letztlich „Basis für das soziale Leben“. Montessori-Schülerinnen und -Schüler werden in ihrem Schulleben dazu motiviert, Sprache selbständig zu untersuchen und mit ihr zu spielen.Das „Handwerkszeug“ dafür erarbeiten sich die Kinder der ersten Jahrgangsstufen mit Hilfe von eigens entwickelten und bis ins Detail durchdachten Materialien, wie zum Beispiel den „Sandpapierbuchstaben“ oder des „Satzsterns“: Welchen didaktischen Prinzipien diese Materialien unterliegen, wie sie den Schülerinnen und Schülern dargeboten werden und wie sie damit eigenständig arbeiten, erfuhren die Gäste im 2,5-stündigen Vortrag.

Auf den Anfang kommt es an: Diesem Leitspruch folgend, orientiert sich das Eingangsmaterial wie die „metallenen Einsätze“ an Koordinationsleistungen zur Schreibmotorik, wobei die Kinder geometrische Formen nachzeichnen, die entscheidend sind für die Gestalt unseres Alphabets. Um in die Welt der Buchstaben eingeführt zu werden, gibt es die Sandpapierbuchstaben. Die Sandpapierbuchstaben – groß und klein – sind auf lackierten Brettchen aufgetragen. Durch das Überfahren der Buchstaben mit den Fingern erkennen Kinder die typische Form und Richtung der Schreibung jedes Buchstabens. Bei dieser Übung wird der jeweilige Buchstabe immer wieder laut gesprochen, sodass das Kind eine Verbindung zwischen dem Laut und dem dargestellten Zeichen herstellt. Die für Montessori Lernmaterial typische Selbstkontrolle erfolgt durch das Abrutschen des Fingers auf die glatte Oberfläche.

Die Zuhörerschaft erfuhr; Montessori Pädagogik lebt davon, möglichst viele Sinne des lernenden Kindes anzusprechen, um gehirngerecht Wissen zu verankern. Doch auch an fleißigem Training und Papierarbeit kommen Montessorischülerinnen und -schüler nicht vorbei, zum Beispiel beim Erlernen von spezifischen Rechtschreib- und Grammatikregeln. Diese „mit Lust“ und „ohne Frust“ durch kreative Ideen zu verankern, ist eine anspruchsvolle Aufgabe einer jeden Lehrkraft, welche an einer Montessori Schule die Rolle des Lernbegleiters einnimmt.

Ein kleiner Einblick in die Fülle von Arbeitsmitteln für die verschiedenen Lernbereiche und Jahrgangsstufen war auf dem Teppich in der Mitte des Stuhlkreises ausgebreitet. Der hohe Aufforderungscharakter des vorgestellten Originalmaterials nach Maria Montessori und auch neu entwickelten Utensilien ließ schnell die Zuhörerschaft ihre Schuhe ausziehen, um auf dem Teppich selbst neugierig „Hand anzulegen“. Ansprechende Haptik, Bewegung und spielerisches Lernen gehen bei den Materialien und Lernspielen Hand in Hand. Zahlreiche „Spiele“ können noch in höheren Jahrgängen zum Wissenserwerb und zur Übung genutzt werden.

Die Besucherinnen und Besucher durften feststellen; „Was einfach aussieht und „Spiel“ genannt wird, erfordert hohe Konzentration.“

Frau Plöchinger beantwortete sowohl Fragen zur modernen Gehirnforschung als auch zu Ideen, Kinder jeden Alters zuhause im Lese- und Schreibprozess zu unterstützen.

„Sprache ist nicht „betoniert“, nicht abgeschlossen wie Bruchrechnen, sondern ein lebendiger Prozess“, betonte Kincses. Durch seinen Erfahrungsschatz auch als Gymnasiallehrer konnte Kincses zudem auf Fragen zu den relevanten Lernzielen in Deutsch eingehen, die sich an der Montessori Schule ebenso am Bayerischen Lehrplan orientieren wie an Regelschulen.

Unter den interessierten Anwesenden befanden sich sowohl Eltern, deren Kinder als erste ABC-Schützen das neue Schulgebäude in der Kloster-Mondsee-Straße im kommenden Schuljahr betreten werden als auch „alte Hasen“ und interessiertes Personal aus anderen Bildungseinrichtungen.

Nach dem Vortrag blieben einige Interessierte noch in Konzentration versunken über dem Material gebeugt oder diskutierten intensiv mit den Lehrkräften. Die drei anwesenden Schülerinnen aus den Jahrgangsstufen 4 und 8 konnten schmunzelnd bestätigen, dass diese erwachsenen „Schülerinnen“ und „Schüler“ damit ein ähnliches Bild boten wie sie selbst in ihrer Schule.

Anmeldungen für den Pädagogischen Abend zum Thema „Mathematik“ am 3. Juni ab 19 Uhr nimmt ab sofort das Sekretariat der Montessori Schule entgegen.